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· nexas105

Der erste BDSM-Stammtisch: Kneipe, Jeans, kein Leder

Ein reservierter Tisch in einer Kneipe, Leute in Jeans und Pulli, Bier und Schnitzel, und zwischen Urlaubsgeschichten geht es um Hanfseile, Rohrstöcke und die nächste Party. So sieht ein BDSM-Stammtisch aus, und so läuft dein erster Abend dort.

Was ein Stammtisch ist

BDSM steht für Bondage und Disziplin, Dominanz und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus: Fesseln, Regeln und Strafen, einer bestimmt und einer gehorcht, Schmerz geben und Schmerz genießen. Ein Stammtisch ist das regelmäßige Treffen von Leuten, die das mögen, meist einmal im Monat in einer Kneipe oder einem Restaurant. Auf Englisch heißt das Munch, mehr dazu im Lexikon unter Munch.

Ein Stammtisch ist kein Spielabend. Es gibt keine Szenen, keine Spielzeuge auf dem Tisch, keinen Dresscode. Man isst, trinkt und redet.

Es gibt allgemeine Stammtische und solche für bestimmte Leute: für Einsteiger, nur für Frauen, für Jüngere bis Anfang dreißig, für Queere, oder zu einem Thema wie Bondage mit Seil. In Köln, Düsseldorf, Bonn und den Städten im Ruhrgebiet gibt es Stammtische, in den großen Städten mehrere. In den Terminen stehen Partys und Stammtische nach Stadt.


Vorher

Viele Stammtische wollen eine kurze Nachricht an die Leute, die ihn organisieren, bevor du kommst. Manche nennen die Kneipe erst danach. Schreib einfach: „Ich bin neu und würde gern am Donnerstag vorbeikommen." Frag dabei, wie du den Tisch findest.

Oft heißt die Antwort: Reservierung auf einen bestimmten Namen, oder ein kleines Zeichen auf dem Tisch. Wenn du unsicher bist, frag die Bedienung nach der Reservierung auf diesen Namen.

Zieh an, was du auch zum Essen mit Kollegen anziehen würdest. Jeans und Pulli passen immer.


Der Abend

Du kommst an, jemand von den Organisatoren begrüßt dich und stellt dich vor, mit Vornamen oder dem Namen, den du in der Szene benutzen willst. Viele haben einen solchen Szenenamen, der nicht ihr echter ist. Du kannst dir einen ausdenken, bevor du hingehst.

Dann bestellst du, setzt dich und hörst zu. Geredet wird über alles: den Job, den Urlaub, die letzte Party, wo man gute Seile kauft, wie man einen Rohrstock pflegt, wer mit wem gespielt hat. Neue werden meist gefragt, wie sie auf das Thema gekommen sind und was sie interessiert. „Weiß ich noch nicht so genau" ist eine völlig normale Antwort. Niemand verlangt, dass du deine Vorlieben am ersten Abend auf den Tisch legst.

Ein Stammtisch geht meist über den ganzen Abend, du kannst aber jederzeit gehen. Kosten fallen nur für das an, was du isst und trinkst.


Was am Tisch gilt

  • Fotos nur, wenn alle am Tisch zustimmen. In der Praxis heißt das: keine Fotos.
  • Zimmerlautstärke. Am Tisch wird offen geredet, aber am Nebentisch sitzt eine Familie beim Geburtstagsessen.
  • Was am Tisch gesagt wird, bleibt dort. Keine Namen, keine Geschichten weitererzählen, keine Arbeitgeber.
  • Wer jemanden vom Stammtisch im Alltag trifft, grüßt wie einen Bekannten vom Sportverein, oder gar nicht.
  • Kein Abfragen der Runde. Wer am ersten Abend reihum fragt, wer mit ihm spielen will, wird freundlich und kühl behandelt. Leute lernt man trotzdem kennen, beim dritten oder vierten Mal ergibt sich das von allein.

Als Frau allein

Rechne damit, dass du auffällst und angesprochen wirst. Setz dich neben jemanden aus dem Orga-Team oder zu anderen Frauen. Sagst du gleich, dass du heute nur zum Kennenlernen da bist, gilt das für den Abend.

Wenn dir der gemischte Tisch zu viel ist: In vielen Städten gibt es Stammtische nur für Frauen, manche getrennt für devote und dominante Frauen. Devot heißt: Sie wollen sich unterwerfen.


Und danach

Vom Stammtisch aus geht es für viele zur ersten Party. Dort wird gespielt, mit Hausregeln und meistens mit Dresscode, siehe Play-Party. Wie so ein Abend läuft, steht in Deine erste Party: was wirklich passiert. Viele Stammtische bieten dazu Workshops an, zum Beispiel für Fesseln mit Seil, wo man mit einer Partnerin oder einem Partner an einem Nachmittag die ersten Knoten lernt.

Und wer nach dem Stammtisch Lust hat, jemanden wiederzusehen, fragt nach dem Profilnamen.


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